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Manche Gespräche über Führung klingen wie Lehrbücher. Dieses hier klingt wie das Leben.

Für die neueste Folge meines Podcasts habe ich mit Björn Kastl gesprochen. Er verantwortet People & Culture bei LuxExperience, dem Luxusmode-Konzern rund um Mytheresa, Net-a-Porter, Mr Porter und YOOX. Tausende Mitarbeitende, mitten in einer der größten Transformationen der Branche. Wir kennen uns seit 2021, als ich ihn als Coach begleiten durfte. Umso schöner, dass er sich jetzt die Zeit für dieses Gespräch genommen hat.

Keine Zeit für das ganze Video (37 Minuten)? Hier sind die fünf Sätze, die hängen bleiben, und was sie für deinen Führungsalltag bedeuten.

1. „Die meisten Unternehmen sehen Führung als eine Art Hobby an."

Björns These: Fast überall bekommen Führungskräfte ihre Führungsaufgabe obendrauf, auf ein volles operatives Pensum. Zeit für Kommunikation, Feedback und Orchestrierung? Bleibt keine. „Und daran zerbrichst du irgendwann."

Nur ein einziges Unternehmen hat er erlebt, das es anders gemacht hat: 80 % operative Aufgabe, 20 % Führung, schwarz auf weiß festgehalten. Ein Tag pro Woche für Führung. Sein Punkt dabei: Es geht gar nicht um die exakte Zahl. Es geht um das Signal: Das ist uns etwas wert.

Ich erlebe zugleich viele Unternehmen, die genau hier ansetzen wollen, oft von HR ausgehend: weniger Operatives, mehr echte Führung, eine gelebte Führungskultur. Woran es dann hakt, sind selten die Absichten. Es sind zwei Dinge: die Werkzeuge, die den Führungskräften fehlen, und das Alignment mit den eigenen Vorgesetzten, was die Erwartungen an die Rolle betrifft. Für mich heißt Führung, mindestens 80 Prozent Menschen zu führen und nicht vorrangig Themen. Die Frage „Führen wir Menschen oder führen wir Aufgaben?" verändert alles. Und der Dialog darüber ist wertvoll.

2. „Du bist kein Übergott."

Viele junge Führungskräfte glauben, sie müssten jede Frage beantworten können, besonders wenn die Geschäftsführung im Raum sitzt. Björns Antwort darauf ist eine Erlösung: „Ich finde es eher unnatürlich, wenn du alle Fragen beantworten kannst." Und wer wirklich auf alles sofort eine Antwort hat, darf sich vielleicht einen Moment fragen: Lasse ich meinem Team genug Raum, oder bin ich näher am Micromanagement, als mir lieb ist?

Was stattdessen zählt: zu wissen, wen man fragt. Sich in der Organisation bewegen können. Und transparent zu sagen: „Weiß ich nicht, ich komme morgen mit der Antwort." Oder, wie Björn empfiehlt, in manchen Situationen das Gegenüber einladen, die Lösung selbst zu finden. Ich nenne das Führen durch Bestärkung: Zutrauen aussprechen und den Weg freimachen.

3. „Menschen WOLLEN Ownership übernehmen."

Wie oft höre ich von Geschäftsführungen: „Ich wünsche mir mehr Ownership von meinen Leuten." Björn dreht den Spieß um: Menschen wollen Verantwortung, alles andere ist die Ausnahme. Aber: „Wenn du die Leitplanken nicht hast, kann ich keine Ownership verlangen."

Klare Ziele. Klare Rollen. Klarheit, mit wem man eigentlich zusammenarbeitet. Erst Rollenklarheit, dann Verantwortung, nicht umgekehrt.

4. „Klarheit ist das oberste Prinzip."

Über Change spricht Björn so klar wie kaum jemand: Auch die härtesten Zeiten kann eine Gruppe meistern, wenn ihr klar ist, warum. Klarheit und gute Kommunikation nennt er die zwei wichtigsten Werkzeuge, damit Menschen durch Veränderung wirklich begleitet werden.

Was dabei oft unterschätzt wird: Als Führungskraft hast du Informationen viel früher als dein Team. Du hattest Zeit, eine Entscheidung zu verdauen, die für deine Mitarbeitenden noch ganz neu ist. Genau deshalb heißt Führung im Wandel für mich: Menschen in Richtung der neuen Entscheidung begleiten, nicht nur informieren.

Und nicht alle werden mitgehen. „Das ist auch fair enough", sagt er. Aber die, die bleiben, gehen die Schritte mit. Ich denke bei Change immer an Jahreszeiten: Der Wandel kommt sowieso. Die Frage ist nur, wie vorbereitet wir sind.

5. „Führungskräfte stehen mit vielen Themen ganz schön alleine da."

Zum Schluss wurde es persönlich. Björn über Coaching: In vielen Unternehmen gilt noch immer, wer Unterstützung sucht, ist „das Weichei". Dabei sei allein schon der Raum, den sich jemand für dich nimmt, „echt wertvoll". Und die richtigen Fragen lösen das aus, was er Aha-Effekte nennt.

Dass er dabei erwähnt hat, was ihm unsere gemeinsame Arbeit und die Soccer-Field-Method® gegeben haben („Wir Menschen brauchen einfach Bilder"), hat mich berührt. Und bestätigt, warum ich tue, was ich tue.

Alle Themen im Video

Führungsstil in der idealen Welt · Operative vs. Leadership · Ownership & Leitplanken · Change & Klarheit · Remote Work & Vertrauen · KI in der Führung · die Fußballfeld-Methode.

Wenn dich diese Themen beschäftigen, ob du gerade in deine erste Führungsrolle wächst oder als Geschäftsführung dein Führungsteam entwickeln willst: Genau dafür bin ich da. [Kostenfreies Erstgespräch] · [Newsletter]

Danke, Björn, für deine Zeit, deine Klarheit und deine Menschlichkeit. Ich würde sie tätowieren lassen. ⚽

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